Hundliche Lehrmeister und Co-Trainer

Das Hundeteam

Meine aktuellen Hunde, das sind: Parcifal, mein am 23.09.14 geborener Malinois-Rüde (ganz links), Lupa, meine am 08.02.07 geborene Malinois-Hündin (Mitte), Maddox, mein am 07.11.2014 geborener Malinois-Rüde (hinten rechts) und mein am 31.12.18 geborener Malinois-Rüde Lancelot (2. Bild)

Meine Hunde waren und sind mir eine große Hilfe. Sie sagen mir über die Hunde, die es zu trainieren gilt, viel mehr als jeder Mensch es je könnte. Ihre Körpersprache zeigt mir an, „wer der andere ist“. Darauf stelle ich mich ein und trainiere entsprechend.

Ben (in memoriam) - meinen ersten Hund und zugleich "schwersten Fall" zu beschreiben, ist leicht: Er war mein "alles". Ben war der Partner, der mich lehrte, was einen aggressiven Hund antreiben kann und was er benötigt, um die Aggression durch ein neues Verhalten ersetzen zu können. Artgenossen wußten ihn nach erfolgtem Training als ruhigen und Sicherheit vermittelnden Partner zu schätzen. Ben war mein Seelenhund, Lehrmeister, Motivator, Freund, Vertrauter und der Begründer meiner Hundeschule. Er fehlt, wie Athos, Ilias und Seppl immer noch und immer wieder.

Seppl (in memoriam) - brachte mir bei, wieviel Einfluß menschliches Verhalten auf das des Hundes hat. Falsch geführt war er aggressiv gegen Menschen. Bei mir war er es nie. Bis zu seinem Tod war er ein freier, autarker, freundlicher Hund, auf den ich mich immer und überall verlassen konnte.

Ilias (in memoriam) - zeigte mir, wie furchtbar Ängste einen Hund quälen können und wie wichtig ruhige, souveräne Menschen sind, um diese Qual zu nehmen. Ilias zeigte in der Familie, die ihn nach seiner Ankunft aus Griechenland bei sich aufgenommen hatte, zunächst Unsicherheit. Panisches Verhalten entwickelte er, weil ihm niemand wirklich half. Nachdem die ersten Menschen an ihm gescheitert waren, zog er auf eine Pflegestelle um. Als er zu mir kam, hatte er über Wochen und Monate kaum geschlafen. Durch viel Ruhe und Schutz in alltäglichen Situationen fand er zurück ins Leben.

Athos (in memoriam) - bewies mir, daß Hunde „Triebtäter“ sein können. Von seinen Vorbesitzern war der so ungeheuer arbeitswillige Hund bis zu acht Stunden am Tag in eine Flugbox gesperrt worden. Angeblich, weil er dominantes Verhalten aufgebaut hatte. An meiner Seite war er nie etwas anderes als ein Traumhund, der schlicht und einfach eines war: ein Malinois. Richtig ausgebildet und gefordert zeigte er, in welch rasantem Tempo so ein belgischer Schäferhund alles tut, lernen, leben und arbeiten. Athos war ein Traum von Hund, ein Traum von Malinois, der beim falschen Hundeführer fast zugrunde gegangen war.

Immer im Herzen geborgen, meine bereits verstorbenen hundlichen Co-Trainer: Malinois Athos, *29.08.04, † 10.10.12 (rechts) und Bardino-Ca-de-Bestiar-Mischling Ben, *03.07.03, † 21.07.15 (links) .

Lupa - bestärkt meine Aversion gegen aversive Erziehungsmethoden, insbesondere meine Ablehnung von Stromreizgeräten. Sie anfangs zu erleben, war kaum zu ertragen. Nach fünf Jahren "Tacker" hatte ich einen Hund an meiner Seite, der kaum die Ohren aufgestellt bekam. Der sich nicht von mir wegtraute. Der nicht die innere Freiheit hatte, schneller als Schritt oder maximal Trab zu laufen. Kurz: einen Hund, der seiner Offenheit und Lebensfreude beraubt war. Als ich begonnen hatte, positiv mit ihr zu arbeiten, sie via Futter und Spielzeug zu motivieren, ihr mit Hilfe des Clickers aufzuzeigen, daß nicht nur gewollt ist, daß sie mitdenkt und Verhalten anbietet, sondern sich genau das auch lohnt, erlebte ich eine rasante Entwicklung. Lupa wurde sehr schnell immer freier und begann, zu einem waschechten Mali zu mutieren. Sie wurde schneller, motivierter, kooperativer und arbeitete immer begeisterter.

Parcifal - zeigt mir erneut, was falsche aversive Arbeit anrichten kann. In Spanien mit Stachelhalsband aufgegriffen, zeigte der sonst so souveräne Belgier plötzlich in ersten Schutzdienstübungen Unsicherheiten, die auf deutliche Fehlverknüpfungen schließen lassen. Zum Glück lernte er via Clicker und Belohnung schnell, Freude in der Unterordnung und am Helfer zu haben. Parcifal ist mein erster "linkslastiger" Hund. Das bedeutet, dass er weniger Interesse an der Beute, jedoch starkes Interesse am Kampf hat. Das spiegelt sich auch im Alltag wider. Parcifal weist eine hohe Schutz- und Wachmotivation auf. Er nimmt Bedrohungslagen sehr wahr und will agieren. Entsprechend muss er noch einmal sorgsamer geführt werden als ein überwiegend beuteorientierter Hund es muss.

Medox

Maddox - erinnert mich an zweierlei: zum einen daran, welch große Rolle auch die genetische Disposition sowie zum anderen manchmal nur eine oder zwei schlechte Erfahrung(en) spielen kann/können. Maddox traf als zehn Wochen alter Welpe auf einen "Rudelführer," einen "Alphawolf", genauer einen "Trainer", der sich für einen solchen hielt. Das unschuldige Hundekind verbrach nichts weiter, als sich von diesem "Trainer" nicht anfassen lassen zu wollen. Und wurde zur Strafe per Leinenruck durch die Luft gewirbelt, auf den Rücken geworfen und minutenlang zu Boden gedrückt. Irgendwann wurde er los- und mit seiner Hilflosigkeit allein gelassen. Und reagierte, wie ein anständiger Mali es nun einmal tut: mit aggressivem Verhalten gegen Menschen. Eine wirkliche Lösung fand der damalige Halter nicht. Und so blieb ein Mißtrauen gegen fremde Zweibeiner, das zweifach verstärkt wurde: zum einen, als versucht wurde, den ohnehin aggressiven Hund gegen eine bestimmte Menschengruppe "scharfzumachen", was mit viel Gewalt verbunden war, zum anderen als ein Interessent vor mir Maddox aus dem Beutespiel heraus anbrüllte und bedrohte. Angeblich wollte er des Hundes Wehrbereitschaft testen. Im Fazit dauerte es einige Tage, bis ich meinen eigenen Hund anfassen durfte, hatte der sonst so schutzdienstbegeisterte Hund lange Zeit Konflikte, wenn der Helfer sich frontal nähert. Wir haben in der Zeit, die Maddox nun bei mir ist (seit 03.07.2017) schon viel erreicht. Doch Maddox zu beweisen, daß Menschen keine generelle Bedrohung sind, war eine besondere Herausforderung.

Lancelot - der Neuzugang aus Ungarn zeigte mir, dass es einen immensen Unterschied zwischen einem Angsthund wie Ilias einer gewesen war und einem in Bezug auf Menschen scheuen, misstrauischen Hund gibt. Lancelot ist im Gegensatz zu Ilias absolut umweltsicher, hat keinerlei Umweltangst, ist schussicher und hat weder an Silvester noch bei Gewitter Probleme. Da jedoch, wo Ilias stets ohne Argwohn war, bei Menschen, wahrt Lancelot extreme Distanz. Verletzungen an seinen Pfoten machen reichlich deutlich, warum. Mittlerweile, nach einem halben Jahr bei mir und zahllosen Kontakten, in denen er Schutz durch mich bekam, hat er eine ganze Reihe menschlicher Freunde. Fremde meidet er zwar, nimmt jedoch nicht mehr Reissaus, sondern kommt zu mir und sucht sich Hilfe. Lancelot ist zudem eine unglaubliche Bereicherung der Gruppe, die in einer vollkommen anderen Art und Weise harmoniert als in allen anderen Zusammensetzungen, ziemlich offenkundig, weil alle auf die gleiche Weise kommunizieren, die gleiche Sprache sprechen: "Hunde-Belgisch".

In loving memory, meinen beiden ebenfalls verstorbenen hundlichen Co-Trainer Helenikos Ichnilatis Ilias *18.03.06, † 20.06.17 (rechts) und DSH-Rottweiler-Berner-Sennen-Mix Seppl *11.11.06, † 23.1.19 (links)

Lupa, Parcifal, Maddox und Lancelot sowie zu Lebzeiten Athos, Ben, Ilias und Seppl: Sie sind die "Vorzeige-Hunde", die beweisen, was und wieviel sich erreichen lässt, wenn Menschen Hunden klare Strukturen und Hilfestellung besonders in Streßsituationen geben. Sie zeigen mir, über welch unvergleichliche Fähigkeiten unsere Hunde verfügen und daß wir sie lediglich „abrufen“ müssen. Sie lehrten mich „hundisch“.

Hinter jedem großen Mann steht eine Frau. Oder etwa ein Hund?

Richard Wagner schrieb einen Teil seiner Opern mit Hilfe von Peps. Der Hund saß auf einem Hocker neben Wagners Klavier. Während Wagner am Klavier spielte, was er komponiert hatte, beobachtete er Peps' Reaktionen ganz genau. Der Legende nach soll der Hund einen besonderen Sinn für die Wirkung bestimmter Tonarten gehabt haben. Während er bei Es-Dur, der Tonart der Zärtlichkeit, sanft den Kopf zur Seite legte, jaulte er bei d-moll, der Tonart des Todes, ganz fürchterlich. Womit Wagner wußte: Wenn das Motiv "romantisch" werden sollte, mußte er Es-Dur in der Partitur notieren, wenn's eher "jenseitig" zu sein hatte, eben d-moll.

(Quelle: Stanley Coren, "Hunde, die Geschichte schrieben")